Agile Projekte brauchen sinnvolle Spielregeln

Februar 27, 2008

In diesem Artikel möchte ich eine Grundvoraussetzung für agile Projekte vorstellen. Sinnvolle und auf Kooperation ausgerichtete Spielregeln. Dazu möchte ich kurz auf einen meiner letzten Beiträge zurückgreifen. In diesem ging es um das Thema kooperative Strategien in Projekten. Eine auf Kooperation aufgebaute Strategie kann in bestimmten Situationen sehr hilfreich sein. In anderen Situationen ist sie es definitiv nicht.

Wer erfolgreich sein möchte, muss sowohl kooperative als auch un-kooperative Strategien beherrschen. Flexibilität ist also Trumpf. Aber dies nur am Rande.

Im genannten Beitrag wurde aber ebenfalls festgestellt, dass kooperative Strategien vorzuziehen sind. In einem kooperativen Umfeld fällt nämlich vieles leichtes. Außerdem sind die Projektergebnisse für alle Beteiligten in Summe besser.

Der sinnvolle Einsatz einer kooperativen Strategie hängt sehr stark vom Projektumfeld und seinen Regeln ab. Diese Regeln, nennen wir sie ruhig Spielregeln, kann man jederzeit im eigenen Sinne verändern und gestalten, wenn man sich bewusst wird, wie sie funktionieren.

Zunächst ist es aber wichtig festzustellen, welche Regeln es überhaupt gibt und wie sie eingesetzt werden.

Hierzu lest bitte die nachfolgende Geschichte. Ihr findet sie an vielen Stellen im Internet. Ich weiß leider nicht wer der ursprüngliche Autor ist.

Die Geschichte handelt von einem Experiment, das angeblich von einer Reihe bekannter Wissenschaftler durchgeführt wurde. Das Experiment diente dazu, mehr über die Teamfähigkeit von Affen herauszufinden. Der Aufbau des Experimentes war sehr einfach.In einem Käfig befanden sich fünf Affen und eine Leiter. Auf dieser Leiter platzierten die Wissenschaftler ganz oben einige Bananen.

Affen

In dem Moment wo die Affen die Bananen gesehen hatten, versuchten sie sie zu erreichen. Doch sobald ein Affe die Leiter bestieg wurden die anderen vier von oben mit kaltem Wasser bespritzt. Durch das Geschrei aufgeschreckt, lies auch der Affe auf der Leiter von seinem Vorhaben ab.

Affen

Den Affen wurde sehr schnell bewusst, dass sie sehr nass werden würden, sobald einer aus ihrer Gruppe versuchte an die Bananen zu gelangen. Aus diesem Grund begann man jedweden Versuch eines Gruppenmitglied dies zu tun zu unterbinden. Wie? Ganz einfach: Man schlug ihn grün und blau.

Affen

Nach mehreren Prügeleien dieser Art verging auch dem letzten Affen die Lust an die Bananen zu gelangen. Die Gruppe hatte sich daran gewöhnt, dass die leckeren Dinger unerreichbar bleiben würden.

Jetzt veränderten die Wissenschaftler den Aufbau des Experiments und tauschten einen der Affen aus. Der neue Affe versuchte sofort an die Bananen zu gelangen. Was ihm schlecht bekam, denn er wurde sofort von den anderen Affen angegriffen und verprügelt. Das neue Gruppenmitglied versuchte es noch einige weitere Male; immer mit dem selben Ergebnis. Schließlich beendete er seine Versuche an die Bananen zu gelangen. Den Grund für die Prügel kannte er jedoch nicht.

Nun wurde ein weiterer der ursprünglichen Affen ausgetauscht. Dem Neuen erging es ähnlich seinem Vorgänger und er wurde mehrmals verprügelt. Sein Vorgänger prügelte übrigens fleißig mit obwohl er eigentlich nicht wusste warum er dies tat.

Im Zuge des Experimentes tauschte man dann alle Affen nach und nach aus mit; immer dem selben Ergebnis. Alle Neuankömmlinge wurden verprügelt und die jeweiligen Vorgänger prügelten mit.Am Ende befanden sich fünf Affen in dem Käfig, die niemals mit kaltem Wasser bespritzt wurden. Nichts desto trotz unternahm keiner von ihnen den Versuch an die Bananen zu gelangen.

Affen

Nun können Affen ja nun mal nicht reden. Doch wenn sie es könnten, hätte sie die Frage, warum sie jeden verprügeln, der versuchen würde an die Bananen gelangen, sicherlich wie folgt beantwortet …

“Keine Ahnung! Das macht man hier eben so!”

So weit so gut. Ich glaube nicht, dass es dieses Experiment jemals gegeben hat. Dennoch zeigt es sehr schön, wie oft wir im Leben Dinge einfach hinnehmen, anstatt sie zu hinterfragen.

Genau so verhält es sich mit den Spielregeln im Projekt. Ab einem bestimmten Punkt werden Regeln nicht mehr hinterfragt. Egal wie gut sie zur aktuellen Situation passen oder nicht.

Wenn wir heute der Meinung sind, dass agile Methoden für Projekte sinnvoll sind, dann gilt dies insbesondere für die Projektspielregeln. Sind diese festgefahren und werden nicht mehr hinterfragt, kann man sich alle anderen agilen Methoden getrost schenken.

Aus meiner Sicht ist es unerlässlich, sich jederzeit der bestehenden Regeln bewußt zu sein und sie regelmäßig zu hinterfragen. Nur so bin ich in der Lage ein kooperatives Umfeld zu schaffen, in dem ich dann mit agilen Methoden weiterarbeiten kann.

Zuletzt noch einmal die Moral von der Geschichte:

Regeln können und müssen jederzeit hinterfragt werden. Wer das nicht tut und stattdessen dumme Antworten sang und klanglos akzeptiert, ist selber schuld und wird nie an die Bananen gelangen.


Alexa Traffic Rank. Optimieren, Steigern, Verbessern!

Februar 20, 2008

Alexa Traffic Rank

Hinter dem sog. Alexa Traffic Rank (oder kurz Alexa) verbirgt sich ein Indikator zur Messung der Popularität von Webseiten. Alexa ist seit 1999 eine Tochtergesellschaft von Amazon. Die Messung der Popularität und damit des Erfolges von Webseiten geschieht über die sog. Alexa Toolbar. Die Alexa Toolbar steht für den Internet Explorer und seit einiger Zeit auch für Firefox zur Verfügung.

Nachdem man die Toolbar installiert hat, ist es Alexa möglich, das jeweilige persönliche Surfverhalten auszuwerten. Dies ist einer der Gründe warum Alexa recht umstritten ist. So wird Alexa vorgeworfen keine statistisch relevanten Daten zu liefern, da keine reräsentativen Stichproben erzeugt werden können. Das Verfahren von Alexa sei schlichtweg willkürlich.

Außerdem gibt es Vorwürfe in Sachen Datenschutz. So listet der Landesbeauftragte für den Datenschutz in Bremen Alexa als datenschutzverletzende Software also als Spyware. Im Artikel zu Alexa bei wikipedia.de findet sich eine Anleitung zum Entfernen der Toolbar.

Ob Alexa nun wirklich als Spyware einzustufen ist, sei dahin gestellt. Immerhin stufen die anderen 15 Bundesländer Alexa nicht als Spyware ein.

Unabhängig von diesen Vorwürfen besitzt der Alexa Rank tatsächlich eine nicht unbedeutende Relevanz. Nicht für alle Webseiten aber zumindest für diejenigen, die über Werbung Geld mit einer Webseite verdienen möchten. Denn an dieser Stelle lohnt sich ein hoher Alexa Rang garantiert. Datenschutz und statistische Relevanz hin oder her.

Wie schaffe ich es also mein Alexa Ranking zu optimieren. Hierzu gibt es eine Reihe von Tipps und Tricks zu Alexa, die ich im Folgenden vorstellen und kommentieren möchte. Soviel vorweg. Manche sind völliger Blödsinn. Die meisten Tipps funktionieren jedoch ganz gut, was unsere eigene Seite zeigt. Dort haben wir ohne viel Aufwand den Alexa Rank um ca. 4.000.000 Plätze verbessert. Und zwar in wenigen Wochen.

Beginnen wir mit einem Alexa-Tipp der garantiert funtkioniert:

1. Installiere die Alexa Toolbar auf deinen eigenen Rechnern. Auf diese Art kann man einen oder auch mehrere Treffer auf der Zielseite erzielen. Genau einen pro IP-Adresse pro Tag. Gerüchten nach erzielt man so ein Top 100.000 Ranking innerhalb weniger Monate. Können wir aber nicht bestätigen.

2. Sorge in deinem Freundeskreis dafür, dass Leute sich die Alexa Toolbar installieren und deine Seite besuchen. Funktioniert garantiert. Ist aber abhängig von der Größe deines Freundeskreises und deiner Überzeugungskunst. Wenn also alle Chinesen auf dieser Welt deine Freunde sind und du es schaffst, sie zu überreden Alexa zu installieren, dann Hut ab!

3. Wie 2 nur mit Arbeitskollegen. Unsere sind übrigens ziemlich träge und wollen überhaupt nicht mitmachen. Das wird euch noch leid tun ;)

4. Mehrsprachigkeit. Laut Aussage sehr vieler Webseiten zu diesem Thema, scheint die Alexa Toolbar in den USA und in Asien sehr beliebt zu sein, weniger bei uns. Bemühe dich also und stelle ein entsprechendes mehrsprachiges Angebot auf deinen Seiten bereit. Mindestens auf Englisch besser noch in verschiedenen Landessprachen.

5. Platziere ein Alexa Site Widget auf deinen Seiten. Ein solches Widget kann man sich auf den Alexa Seiten erstellen und herunterladen. Dieser Tipp funktioniert meines Erachtens nicht. Ich glaube nämlich nicht, dass sehr viele Leute auf diese Art von Alexa überzeugt werden.

6. Sorge dafür, dass ganz bestimmte Gruppen deine Seiten besuchen. Zu diesen gehören neben US-Amerikanern und Chinesen insbesondere auch Webmaster und SEOs. Diese haben nämlich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit die Alexa Toolbar installiert. Aus diesem Tipp resultieren eine Menge sinnvoller Maßnahmen. Die wichtigste lautet …

7. (Glückszahl! Und damit reserviert für den besten Tipp) Erstelle sinnvolle Inhalte, die andere Menschen wirklich interessieren und sie dazu veranlassen deine Seite wiederholt zu besuchen oder sogar weiterzuempfehlen. Wenn du hierzu nicht in der Lage bist, hast du ein Problem!

8. Benutze den Alexa Redirect! Dieser Tipp funktioniert garantiert nicht mehr. Guckst du hier. Der Alexa Redirect Link wurde Anfang des Jahres 2008 deaktiviert. Zuvor versuchten viele Personen über diesen Link zählbare Treffer für ihre Seiten zu bekommen. Das ganze funktionierte so: Anstatt über http://www.itemis.de meine Seite anzusteuern, benutzte ich den Link http://redirect.alexa.com/redirect?www.itemis.de. Diese Geschichte war nach Ansicht vieler Alexa Experten nur ein Mythos, was egal ist, denn es funkioniert wie gesagt nicht mehr.

9. Benutze Pay-Per-Click Angebote wie beispielsweise Google Adwards. Dieser Tipp dürfte sehr gut funkionieren, insbesondere wenn ich versuche die vorgenannten Zielgruppen anzusprechen. Noch effektiver dürfte es aber sein, einen oder sogar mehrere TV-Werbespots beim Superbowl zu schalten.

10. Ähnlich verhält es sich mit den Themen Banner- und Linktausch bzw. Kauf. Dürfte funkionieren, kostet aber Geld.

11. Kostet Geld und funkioniert nicht: Alexa auto-surfs. Schaut euch mal unter diesem Stichwort die einschlägigen Angebote im Netz an. Unser Rat: Finger weg!

12. Social Networking. Fast so gut wie Tipp 7. In diesen Plattformen könnt ihr euch an Diskussionen (nicht nur zum Thema Alexa) beteiligen und auf eure Seiten verweisen. Allerdings sollten die Standpunkte, die ihr auf euren Seiten vertretet auch relevant sein, sonst landet an ganz schnell in der Spammer Ecke.

13. Erstellt Pressemitteilungen und stellt diese in den einschlägigen Portalen ein. Bespielsweise openPR oder Pressebox. Wie bei den anderen Tipps hängt der Erfolg dieser Maßnahme entscheidend von der Relevanz und der Attraktivität einer Pressemitteilung ab. Wer sich an dieser Stelle nicht auskennt, verbrennt sich schnell die Finger. Also lasst euch am besten beraten. Tun wir übrigens auch. Bei den Mädels von Saalto. Dies aber nur am Rande ;)

14. Seid selber kreativ und denkt euch was aus.

Ansonsten kann man natürlich auch in seinem eigenen Blog einen Beitrag über Alexa erstellen. Ob dieser Tipp funktioniert kann ich euch leider noch nicht sagen. Ich probiere es nämlich gerade aus :)

Im Moment stehen wir bei ca. 400.000 und beachten ganz konsequent die vorgenannten Tipps.

Alexa Traffic Rank

Die weitere Entwicklung werden wir hier dokumentieren. Also schaut gelegentlich vorbei und macht euch schlau (s. Tipp 7).

 

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Kooperation in Softwareprojekten! Lohnt sich das? (Teil 3)

Februar 12, 2008

Im zweiten Teil dieses Beitrags wurde eine sehr erfolgreiche kooperative Strategie vorgestellt: Tit for tat oder auf Deutsch Wie du mir so ich dir.

Tit for tat zeigt uns, dass es sich durchaus lohnt, kooperativ zu sein, um seine eigenen Ziele zu erreichen. Zumindest sollte man am Anfang kooperativ sein und nicht gleich alle Kollegen vor den Kopf stoßen. Bei Leuten, die nicht kooperativ sind, einem also nicht nett begegnen, ist eine andere Strategie angesagt - Vergeltung. Am Ende zeigt sich Tit for tat aber wieder versöhnlich. Denn man sollte in der Lage sein, zu verzeihen und beim nächsten Zusammentreffen wieder nett zu einander sein.

Ich finde diese Strategie als Grundlage sehr gut. Auf jeden Fall sollte man in Softwareprojekten zunächst jedem Kollegen seine Chance geben. Und auf gar keinen Fall darf man kooperative Kollegen hintergehen. Durch die Beachtung dieser beiden Grundsätze bin ich in der Lage, ein kooperatives Arbeitsklima aktiv zu gestalten.
Axelrod, der Veranstalter des Computerturniers, spricht in diesem Zusammenhang von Reformern, d.h. Personen die Umgebung und damit die Spielregeln schaffen.

Eben diese Spielregeln sind von entscheidender Bedeutung. Wir mussten immer wieder feststellen, dass fehlende Spielregeln in Softwareprojekten zu fatalen Ergebnissen führen. Leider kann man solche Spielregeln nicht einfach festlegen, man muss sie vorleben. Also selber Vorbild sein.

Die wichtigste Regel lautet dabei: Bestrafe jeden Verrat in aller Konsequenz!

Dolchstoss

Diese Regel ist wie wir gesehen haben in Tit for tat fest verankert. Sie führt bei “nicht netten” Kontakten evtl. zu einem Strategiewechsel. Beachte ich diese Regel nicht, werde ich immer wieder mit “nicht nettem” Verhalten konfrontiert werden. Dies gilt für Einzelpersonen gleichermaßen wie für Gruppen.

Ich sage an dieser Stelle bewusst nicht, dass die Bestrafung von Verrat automatisch dazu führt, dass sich mein Gegenüber beim nächsten mal anders verhält. Das muss nämlich nicht so sein. Aber dazu später mehr. Sollte ich jedoch auf eine Bestrafung verzichten, zeige ich meinem Gegenüber, dass seine “nicht nette” Strategie erfolgreich ist.

Nur meinem Gegenüber? Nein, andere Personen und Gruppen merken sehr schnell, wie es um mich bestellt ist. Sie fangen an zu lernen. Sie lernen, dass “nicht nette” Strategien in diesem Projekt zum Erfolg führen. Haben erst genügend Projektteilnehmer diese Erfahrung gemacht, versagt übrigens auch Tit for tat, die Ausgangsstrategie.

Mit anderen Worten: Befinden sich erst genügend - und jetzt wechseln wir das Wort - “böse” Spieler im Projekt, ist Hopfen und Malz verloren. Mittelfristig verlieren in dieser Situation alle. Die Schuld hierfür wird der jeweils anderen Partei zugeschrieben. Man merkt nämlich meistens gar nicht, dass man selber böse ist.

Bitte achtet daher immer auf die Spielregeln in euren Projekten. Dies gilt für alle Teilnehmer und Rollen, also Entwickler, Architekten, Projektleiter etc. Ich fasse diese Spielregeln noch einmal kurz zusammen:

- Verrate nicht als erster,
- Erwidere sowohl Kooperation als auch Verrat,
- Sei nicht neidisch,
- Sei nicht zu raffiniert.

Zur letzten Spielregel noch ein Wort. Wenn ich raffiniert bin, verschleiere ich meine Absichten. Dies im Guten wie im Bösen. Meine Raffinesse erschwert es damit anderen Personen, mich richtig einzuschätzen. Auf diese Art und Weise entstehen die berühmten Missverständnisse, die, wenn man sie nicht schnell aus der Welt schafft, ebenfalls zu schwerwiegenden Problemen im Miteinander führen können.

Vorsicht!

Unsere Ausgangsstrategie, Tit for tat, hat meiner Meinung nach jedoch einen schweren Fehler. Dieser liegt im Verzeihen.

Sicherlich ist es wichtig einen Fehler zu verzeihen, wenn die andere Seite einsieht, dass sie einen Fehler begangen hat und diesen auch bereut. Doch was geschieht, wenn dies häufiger passiert? Was mache ich, wenn die andere Seite Fehler nur eingesteht, weil sie meine Strategie kennt und damit genau weiß, dass der nächste Verrat wieder zum Erfolg führen wird?

Das Problem ist, dass es sehr viele Menschen gibt, die gelernt haben, dass sich Betrug und Intrige auszahlen. Egal ob raffiniert oder nicht, wer einmal gelernt hat, sich so zu verhalten wird schwerlich davon Abstand nehmen. Für solche Personen gilt die Regel zu verzeihen nicht. Ein derartiges Verhalten darf man nicht tolerieren. Am besten man isoliert diese Personen oder entfernt sie ganz aus dem Projekt. Dabei darf es keine Rolle spielen, wie qualifiziert ein solcher Jemand ist.

Fazit:

Kooperation ist für mich ich die einzige Strategie, die in Projekten zum Erfolg führt. Man erreicht sie jedoch nicht, in dem man selber nur kooperativ ist. Im Gegenteil, manchmal muss man selber böse sein, damit die Spielregeln gewahrt bleiben und Kooperation eine Chance hat.

 

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Kooperation in Softwareprojekten! Lohnt sich das? (Teil 2)

Februar 8, 2008

Im ersten Teil dieses Beitrages wurde das Gefangenendilemma vorgestellt. Es zeigt, dass es Situationen gibt, in der die jeweils beste Strategie vom Handeln anderer Personen abhängt. Die Frage, ob ich kooperativ sein oder besser entschlossen meinen eigenen Vorteil suchen soll, lässt sich demnach nicht aus der eigenen subjektiven Sicht allein heraus beantworten.

Wie soll man sich jetzt aber im echten Leben verhalten? Ist das Gefangenendilemma überhaupt in der Praxis anwendbar?

Die letzte Frage kann man eindeutig mit Ja beantworten. Es gibt viele Situationen, die mit dem Gefangenendilemma vergleichbar sind oder waren. So stellte man im ersten Weltkrieg fest, dass in den Schützengräben viele Soldaten auf Kooperation setzten, anstatt sich gegenseitig zu vernichten. So wurden an bestimmten Tageszeiten Feuerpausen eingelegt oder man schoss einfach in die Luft.

Verbruederung

Den Soldaten auf beiden Seiten, die täglichem Feuer ausgesetzt waren, wurde nämlich eines sehr schnell klar: Wenn die eigene Seite eine Stellung bombardierte und fünf Feinde tötete, dann antwortete die Gegenseite mit einer Salve und tötete dadurch fünf eigene Kameraden. Spieltheoretisch ist das kein Problem. Im echten Leben dagegen schon.

Verbrüderungen dieser Art waren keine Einzelfälle. Die Generalität begegnete diesem Phänomen mit drastischen Strafen. Wer mit dem Feind kooperierte, wurde erschossen. Doch selbst diese Maßnahme beendete die Kooperation nicht. Erst als man begann, kooperative Truppenteile zu verlegen und an anderen Frontabschnitten einzusetzen, hörten die Verbrüderungen auf. Die Soldaten wurden mit neuen Feinden konfrontiert von denen sie nicht wussten, ob sie kooperieren würden oder nicht. Das Gefangenendilemma begann so zu sagen immer wieder von neuem. Anschauen kann man sich das ganze im Film Joyeux Noël von Christian Carion.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass es einen großen Unterschied gibt, wie oft das Gefangenendilemma wiederholt wird. Beim ersten Mal kenne ich meinen Gegner überhaupt nicht. Beim zweiten Mal weiß ich jedoch, wie er sich in der Vergangenheit verhalten hat, und ich kann meine Schlüsse daraus ziehen. Diese Variante nennt sich iteratives Gefangenendilemma.

Zurück zur Frage, wie man sich im echten Leben verhalten sollte. Die geschilderten Verbrüderungen legen ja die Vermutung nahe, dass Kooperation sehr gut funktioniert. Ganz so einfach ist es aber nicht!

Man stelle sich nur einmal vor, wie leicht es wäre, eine auf Kooperation eingestellte Kompanie von Soldaten zu besiegen. Die eigenen Verluste wären nahezu bei null, die des Gegners wären maximal. In der ursprünglichen Geschichte ist dies die Kombination Freispruch und 5 Jahre Gefängnis.

Um herauszufinden, welche Strategie die beste für das iterative Gefangenendilemma ist, veranstaltete Robert Axelrod, ein US-amerikanischer Politikwissenschaftler, ein Computerturnier. Hierzu lud er Im Jahr 1980 die damals bekanntesten Spieltheoretiker ein. Jeder von ihnen entwickelte eine individuelle Strategie für das Gefangenendilemma, die dann jeweils in ein einfaches Computerprogramm umgesetzt wurde. Jedes Programm trat dann in genau 200 Zügen gegen alle anderen und auch gegen sich selbst an.

Die teilnehmenden Programme verfolgten von Beginn an sehr unterschiedliche Strategien. Einige waren sehr einfach, andere basierten auf komplexen statistischen Verfahren. Manche waren kooperativ, also „nett“, andere setzten auf Verrat, waren also „nicht nett“.

Die Siegerstrategie war eine echte Überraschung. Sie stammte von Anatol Rapoport, einem Professor für Psychologie und Mathematik an der University of Toronto, und gehörte zu den einfachsten Programmen im Feld. Sie hieß Tit for tat, auf Deutsch “Wie du mir so ich dir”.

Tit for tat gehörte zu den “netten” Programmen. Es kooperierte bei jeder ersten Begegnung und richtete sein weiteres Verhalten danach aus, wie sich der andere bei dieser Begegnung benahm. War der Gegner kooperativ, war auch Tit for tat kooperativ. War der Gegner es nicht, sah auch Tit for tat keine Veranlassung “nett” zu sein. Das vorangegangene Verhalten des Gegners wurde also kopiert. Überrascht von diesem Ergebnis wurde ein zweites, größeres Turnier veranstaltet. Doch auch hier hieß der Sieger Tit for tat.

Insgesamt wurden fünf Turniere gespielt. Bei fast allen gewann Tit for tat. Soweit ich weiß, gab es zum Ende eine bessere Strategie, die jedoch auf der Grundidee von Tit for tat basierte. Nachzulesen ist das ganze übrigens in Axelrods Buch, Die Evolution der Kooperation.

Was aber bedeuten die Ergebnisse dieses Turnier für unser Ausgangsproblem. Führt Kooperation nun automatisch zum Erfolg?

Kooperative Strategien sind meiner Ansicht nach immer dann erfolgreich, wenn wir uns in Situationen befinden, in denen Menschen sich zunächst freundlich begegnen. Leider gilt dies nicht immer für Softwareprojekte. Sehr oft sind Projekte sehr zerfahren und ihre Protagonisten alles andere als freundlich zueinander. Wer nichtsdestotrotz gleich von Beginn an versucht, auf Kosten Anderer zu leben, wird im Einzelfall vielleicht erfolgreich sein. Auf Dauer aber nicht.

Der Erfolg von Tit for tat zeigt auch deutlich, dass unkooperatives Verhalten auf keinen Fall toleriert werden darf. So standen alle rein kooperativen Programme in Axelrods Turnier von Anfang an auf verlorenem Posten. Mit anderen Worten: Wer sich ständig über den Tisch ziehen lässt, ist selber Schuld.

Auf der anderen Seite verdeutlicht Tit for tat aber auch, wie wichtig es ist zu verzeihen. Wer einen Fehler einsieht und wieder kooperativ ist, verdient eine immer eine zweite Chance.

Prima, dann haben wir es ja jetzt: Wie du mir so ich dir und alles ist in Butter!

Nun ja, ganz so einfach ist es nicht. Zugegeben, Tit for tat ist eine gute Wahl aber lange nicht die Beste. Aus meiner Sicht hat diese Strategie einen entscheidenden Fehler.

Welchen? Das erfahrt ihr im dritten und letzten Teil von Kooperation in Softwareprojekten! Lohnt sich das?.

 

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Kooperation in Softwareprojekten! Lohnt sich das? (Teil 1)

Februar 6, 2008

Spannungen zwischen IT- und Fachseite. Wer jemals in einem Softwareprojekt gearbeitet hat kennt sie zur Genüge. Vorteilhaft sind sie nie. Jedenfalls nicht wenn man das Projekt als Ganzes betrachtet. Im Gegenteil: Wenn beide Seiten nicht in der Lage sind vernünftig zusammenzuarbeiten verlieren fast alle Beteiligten. Die einen verlieren Geld, andere ihre Nerven. Viele verlieren beides.

Warum entstehen diese Spannungen immer wieder? Eine einfache Antwort gibt es nicht. Vielleicht liegt es daran, dass beide Parteien unterschiedliche Ziele verfolgen und deshalb sehr egoistisch handeln.

Gehen wir einfach davon aus, dass dies so ist, und wir es wirklich mit Egoisten zu tun haben. Diese haben nur ihr eigenes Ziel vor Augen und es ist ihnen dabei egal ob die andere Partei auf der Strecke bleibt oder nicht.

Ich möchte im Folgenden darstellen, dass es sich gerade in einer Welt voller Egoisten fast immer lohnt, mit der anderen Partei zu kooperieren. Auch wenn dies zunächst wie ein Widerspruch klingt, es ist keiner.

Beginnen wir mit einem Paradoxon, dem Gefangenendilemma.

Gefangenendilemma

Das Gefangenendilemma ist ein zentraler Bestandteil der Spieltheorie. Bei diesem Paradoxon handelt es sich um ein klassisches symmetrisches „Zwei-Personen-Nicht-Nullsummen-Spiel”, das in den 1950er Jahren formuliert wurde. Es ist schnell erklärt.

Zwei Personen, nennen wir sie Jens und Wolfgang, sitzen in Untersuchungshaft. Sie werden beschuldigt einen Bankraub begangen zu haben. Die Höchststrafe hierfür beträgt fünf Jahre. Der Untersuchungsrichter lässt beide vorführen und bietet jedem einen Handel an.

Wenn einer gesteht und somit seinen Partner mitbelastet, kommt er ohne Strafe davon – der andere muss die vollen fünf Jahre absitzen. Entscheiden sich beide zu schweigen, bleiben nur Indizienbeweise, die aber ausreichen, um beide für zwei Jahre einzusperren. Gestehen aber beide die Tat, erwartet jeden eine Gefängnisstrafe von vier Jahren.

Umgehend nach dem Angebot des Richters werden beide abgeführt. Sie kommen sofort in Einzelzellen und haben keine Möglichkeit mehr sich abzustimmen.

Jens sitzt in seiner Zelle und denkt sich: Falls Wolfgang gesteht, reduziere ich mit meiner Aussage meine Strafe von fünf auf vier Jahre; falls er aber schweigt, dann kann ich mit meiner Aussage meine Strafe von zwei Jahren auf Null reduzieren! Er kommt zu dem Entschluss auf jeden Fall zu gestehen.

Jens entscheidet dieses Problem zunächst aus seiner alleinigen Sicht heraus. Er lässt Wolfgangs Verhalten außen vor. Spieltheoretisch handelt er dominant.

Betrachten wir jetzt aber Jens und Wolfgang als Gruppe, ergibt sich ein anderes Bild: Würden beide nämlich schweigen gingen sie insgesamt nur für vier Jahre ins Gefängnis. Jede andere Kombination führt aber zu längeren Strafen, nämlich fünf bzw. acht Jahre Haft. Die bessere (Gruppen-) Strategie lautet also: Nicht aussagen. Diese Strategie ist aber riskant und kann durch “Verrat” leicht ausgehebelt werden.

Fassen wir zusammen: Die erste von Jens vorgenommene Analyse der Situation erscheint vernünftig und verleitet ihn dazu zu gestehen. Ist Wolfgang ebenso vernünftig ist das Ergebnis für beide als Gruppe betrachtet aber schlecht. Das bessere Ergebnis könnten beide erreichen, indem sie schwiegen, also kooperierten. Diese Strategie ist wie gesehen aber anfällig für Verrat.

Die Strategiekombination (Gestehen/Gestehen) ist übrigens ein Beispiel für ein Nash-Gleichgewicht. Es wurde von John Forbes Nash Jr. in den 50er Jahren entdeckt. Der eine oder andere kennt ihn vielleicht aus dem Film A Beautiful Mind.
Kommen wir zurück zu unserem Softwareprojekt. Das Gefangenendilemma zeigt, dass Kooperation theoretisch für beide Parteien eine gute Strategie darstellt, auch wenn sie eigentlich nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind. Sie setzt jedoch ein großes Maß an Vertrauen voraus und kann durch hinterhältige Machenschaften leicht durchkreuzt werden.

Ist eine kooperative Strategie also empfehlenswert und praxistauglich? Dazu mehr im zweiten Teil von Kooperation in Softwareprojekten! Lohnt sich das?

 

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